Es gibt Momente in der Geschichte des Celtic Punk, da möchte man das Guinness gegen einen stillen Whiskey tauschen und einfach nur schweigen. Die Nachricht vom Januar 2026 hat die Szene ins Mark getroffen: The O’Reillys and the Paddyhats stellen ihre Aktivitäten auf unabsehbare Zeit ein. Was als Vorfreude auf das 15-jährige Bandjubiläum begann, endete in einem emotionalen und personellen Scherbenhaufen.
Was genau geschah, welcher Vorfall diese Ausstiege verursacht hat, darüber gibt die Band keine Auskunft. Nur soviel: Es soll sich um ein Ereignis zwischen zwei Bandmitgliedern gehandelt haben. An dieser Stelle wollen wir uns an keinen weiteren Spekulationen beteiligen.
Dennoch ist für uns von beingirish.berlin das mehr als nur eine News-Meldung. Die Paddyhats waren eine unserer absoluten Favourite Bands. Wir hatten uns bereits riesig auf das Konzert am 2. Oktober 2026 im Columbia Theater in Berlin gefreut – ein Termin, der nun schmerzlich leer im Kalender steht.
Ihr Einfluss auf die deutsche Szene war gewaltig. Während Bands wie Fiddler’s Green den Weg ebneten, brachten die Paddyhats eine moderne, fast schon rockstar-mäßige Energie in die Pubs und auf die Festivalbühnen (Wacken, Summer Breeze). Kollaborationen mit Größen wie dArtagnan oder Fiddler’s Green (man denke an das gemeinsame „Wake The Rebels“ oder das brandneue „The Songs That Built My Life“ von 2025) zementierten ihren Status als Eckpfeiler des Genres.
Ein Vermächtnis in sieben Alben
Die Diskografie der Band liest sich wie die perfekte Playlist für jede lange Pub-Nacht:
| Jahr | Album | Besonderheit |
| 2016 | Seven Hearts One Soul | Das Debüt, das direkt den Klassiker „Barrels of Whiskey“ lieferte. |
| 2017 | Sign of the Fighter | Rauere Töne und die legendäre Coverversion von „The Boxer“. |
| 2018 | Green Blood | Der endgültige Durchbruch in der Szene. |
| 2010 | Dogs on the Leash | Top-40-Platzierung in den deutschen Charts. |
| 2021 | In Strange Waters | Das 10-jährige Jubiläum mit Neuinterpretationen. |
| 2023 | Wake The Rebels | Ein kämpferisches Statement für Freiheit und Rebellion. |
| 2024 | Coming Home | Das letzte Studioalbum – heute wirkt der Titel fast prophetisch. |
15 Jahre Irish Punk aus dem „Little Dublin“ Gevelsberg
Die Geschichte der Band begann 2011 als Duo von Ian McFlannigan und Dwight O’Reilly. Was in Gevelsberg seinen Ursprung nahm, entwickelte sich rasch zu einem der wichtigsten Exporte der deutschen Folk-Punk-Szene. Sie brachten den „Paddy Punk“ nicht nur in die verrauchten Pubs, sondern auf die ganz großen Bühnen Europas.
Kaum eine Band des Genres war so präsent auf den großen deutschen Festivals. Sie waren die Botschafter des Irish Punk bei den Metallern und Rockern:
- Wacken Open Air: Bereits 2016 begeisterten sie auf der Beer Garden Stage und kehrten 2022 triumphal zurück.
- Summer Breeze: In den Jahren 2016, 2019 und 2022 verwandelten sie das Infield in Dinkelsbühl regelmäßig in einen gigantischen Circle Pit.
- Pott of Gold Open Air: Erst im August 2025 feierten sie in ihrer Heimat Gevelsberg ihr eigenes, höchst erfolgreiches Festival-Debüt vor rund 800 Fans. Hinzu kamen unzählige Auftritte beim Open Flair, Rockharz und dem Shamrock Castle, wo sie den Spirit von Freiheit und Gemeinschaft lebten.
Personelle Zäsuren: Sean O’Reilly & der bittere Januar 2026
Das aktuelle Ende ist leider nicht der erste große Umbruch. Bereits im Juli 2022 verließ Gründungsmitglied Sean O’Reilly (Stefan Wüstenberg) die Band. Sean war über ein Jahrzehnt eine treibende Kraft und prägte den Sound maßgeblich. Sein Ausstieg geschah damals im Guten („Some things in life don’t go as expected“), und es ist ein kleiner Trost, dass wir Stefan mit seinem neuen Soloprojekt WÜSTENBERG diesen Sommer beim Shamrock Castle wiedersehen werden.
Doch was sich im Januar 2026 abspielte, hatte eine andere Qualität. Innerhalb weniger Tage zerbrach das Gefüge:
- 14. Januar: Geigerin Mia Callaghan (Mia Ohly) verkündet ihren Ausstieg und spricht von einem „Vorfall, der niemals hätte passieren dürfen“. Auch Schlagzeuger Jones Murphy (Jonas Heinrich) verlässt die Band.
- 16. Januar: Die Band trennt sich mit sofortiger Wirkung von Frontmann Ian McFlannigan aufgrund eines „internen Vorfalls“.
- 20. Januar: Auch Sänger Paddy Maguire verlässt die Band von sich aus.
Das offizielle Statement lässt keine Zweifel offen: Freundschaften sind zerbrochen, Spannungen konnten nicht mehr gelöst werden.
Die Bestürzung auch bei den Kolleg*innen der Szene ist groß. Bands wie Fiddler’s Green, mit denen die Paddyhats erst im März 2025 die Single „The Songs That Built My Life“ veröffentlicht hatten, und Weggefährten wie Mr. Irish Bastard zeigen sich tief betroffen. Der deutsche Celtic Punk verliert eines seiner strahlendsten Aushängeschilder.
Wir heben das Glas auf 15 Jahre voller Leidenschaft. Die Paddyhats haben uns gezeigt, dass Musik Brücken baut, Menschen vereint und die Seele heilen kann – auch wenn sie selbst nun an menschlichen Hürden gescheitert ist.
Tickets für die Berlin-Show und die gesamte Tour werden automatisch bzw. über die Verkaufsstellen erstattet. Aber das Geld ist zweitrangig. Was bleibt, ist die Musik.
Sláinte und danke für 15 Jahre, Paddyhats. Wir bleiben Rebels und sehen uns an der Bar.

Christiane und Nico auf dem Paddyhats Konzert am 4. April 2025 in Berlin




